Wie der Hatha Yoga zum Menschen kam

Gott Shiva zog sich mit seiner Gemahlin Parvati auf eine einsame Insel zurück. Sie hatte ihn nämlich gebeten, sie in die Lehren des Yogas einzuweisen. Es heisst, das sie Shiva bat, ihr einen Weg aufzuzeigen, der für alle Menschen und Schichten zugänglich sei und der die Menschen dort abhole, wo sie sich auf ihrem Weg befänden. Während Shiva Parvati belehrte, belauschte regungslos ein kleiner Fisch sie und als er fertig war mit der Belehrung wollte der Fisch unbemerkt davon schwimmen. Shiva bemerkte dies natürlich und packte das kleine Fischchen und erkannte, dass er in ihm den Übermittler seiner Lehre gefunden hatte. Er gab ihm eine menschliche Gestalt und nannte ihn Matsyendranath. Er beauftragte ihn, mit seinem Wissen zu den Menschen zu gehen und sie im Yoga zu unterweisen. So wurde Shiva, wie in vielen anderen Legenden, zum „Herrn des Yoga“ (Yogeshvara).

Hatha Yoga

Von Matsyendranath weiss man-ausser den vielen Legenden-so gut wie gar nichts. Sein erster Schüler war Goraknath, der einige Grundlagentexte überlieferte. Die wichtigste Schrift im Hatha-Yoga ist die Hatha-Yoga Pradipika, welche in der Blütezeit des HathaYogas, ca. 15JhdnChr. entstand. Wie alle anderen Yoga Wege ist auch der Hatha-Yoga ein Weg zu Selbsterkenntniss. Wurde der Körper zuvor eher als Hindernis auf dem spiriutuellen Weg angesehen, wurde er im Hatha-Yoga als Mittel zum Zweck entdeckt. Der Hatha Yoga entstammt der tantrischen Tradition. Im Tantra wie im Hatha-Yoga ist das Verständnis des Körpers weiter gefasst als im Westen. Es wird von einem feinstofflichen Körpersystem ausgegangen, auf welches die Übungen wirken und Einfluss nehmen. Die wichtigsten Elemente des feinstofflichen "Körpers" sind:

Nadis (ähnlich der Meridiane)

Eine Art "Leitungsnetz", welche den ganzen Körper durchziehen und quasi ein verfeinertes Gegenstück zum Nervensystem bilden. Es gibt unzählige Nadis, wobei drei zu den wichtigsen Zählen (IdaNadi: links der Wirbelsäule, linkes Nasenloch, Mondseite / PingalaNadi: rechts der Wirbelsäule, rechtes Nasenloch, Sonnenseite / SushumnaNadi (Zentrum der Wirbelsäule)

Chakras

Feinstoffliche Zentren im Körper. Sechs Hauptchakras befinden sich in der Ebene der Wirbelsäule. Die Wirbelsäule repräsentiert im Hatha-Yoga die mikrokosmische Entsprechung der axismundis (Weltachse)

Prinzip der Kundalini Kraft (Energie/Bewusstseinspotential)

Die Kundalini ist eine psychische-physische Manifestation der weiblichen Energie (shakti). Ein Ziel des Hatha-Yoga ist es, diese "Kraft", welche im Wurzelchakra an der Basis der Wirbelsäule "schläft" zu erwecken und durch die Chakras nach oben zum obersten Chakra zu führen und somit die Vereinigung mit dem göttlichen Bewusstsein zu erlangen - Aufhebung der Dualität.

Alle Übungen des Hatha-Yoga haben die Aufgaben, den Körper und den Geist dafür vorzubereiten, um diese kraftvolle Energie und die damit einhergehenden Bewusstseinsveränderungen überhaupt verkraften zu können. Die Asanas sollen unter anderem den Körper gesund erhalten (Krankheit verwirrt den Geist und das "Instrument" wird unbrauchbar), Leichtigkeit der Glieder (=Leichtigkeit im Geist), Kräftigung der Rumpfmuskulatur (Aufrichtung der Wirbelsäule - Sitz der Sushumna). Kein Ziel ist es den Körper gelenkiger oder beweglicher werden zu lassen! Die Asanas dienen vorallem dazu, den Körper für die Sitzhaltungen im Pranayma und der Meditation vorzubereiten. Die meisten Sitzhaltungen, welche die Schriften erwähnen sind Sitzhaltungen.  Ein sehr wichtiger Aspekt im Hatha-Yoga sind die Reinigungsübungen (Kriyas) Sie dienen dazu, den Körper optimal auf die zentralen Techniken des Hatha-Yogas vorzubereiten (Lenkung der inneren Energieströme) und ihn von Verunreinigungen befreien. Auch einige Atemtechniken (wie Kapalabhati, NadiShodhana) können dazu gezählt werden. Pranayama dient der Reinigung der Nadis und der Erweckung der Kundalini. Die feinstoffliche Energie (Prana) soll in Bewegung bzw. zum Aufsteigen gebracht werden und somit eine Bewusstseinsänderung herrvorrufen. Mudras (Finger-, Augen-, und Körperhaltungen) und Bandhas (Muskelkontraktione in drei Bereichen des Körpers) haben zum Zweck Prana zu lenken und an die Energie an die richtigen Orte zu lenken. Sie sind sehr zentral im Hatha-Yoga.